kombinierte Risiko-LV mit BU-Versicherung als Einmalzahlung

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist neben der Unfallversicherung die bekannteste Invaliditätsrente. Sie bietet ein sicheres Einkommen bei zeitweiliger und längerfristiger Berufsunfähigkeit.
Antworten
Schnitzer
Unterversichert ;-)
Beiträge: 4
Registriert: 13.06.2020, 19:54

kombinierte Risiko-LV mit BU-Versicherung als Einmalzahlung

Beitrag von Schnitzer » 15.06.2020, 15:51

Guten Tag,

mir ist eine Versicherung nach spanischem Recht untergekommen, die eine Risiko-Lebensversicherung mit einer Berufsunfähigkeits-Versicherung kombiniert, wobei im Versicherungsfall bei Berufsunfähigkeit keine Rente gezahlt wird sondern eine Einmalzahlung bei Laufzeitende erfolgt (wie natürlich auch im Todesfall eine Einmalzahlung erfolgt). Ich weiß nur von BU-Versicherungen, die eine Rente vorsehen und allenfalls bei einem Streit mit der Versicherung mit einer Einmalzahlung als Vergleichszahlung enden. Kennt jemand eine solche Versicherung nach deutschem Recht (also BU mit Einmalzahlung in Kombination mit Risiko-LV oder nur als BU)?

Benutzeravatar
VMHB
Überversichert ;-)
Beiträge: 402
Registriert: 24.08.2012, 08:07
Kontaktdaten:

Re: kombinierte Risiko-LV mit BU-Versicherung als Einmalzahlung

Beitrag von VMHB » 16.06.2020, 09:18

Hallo...

Nein, am deutschen Markt ist so ein Versicherungsschutz nicht erhältlich.


VG

VMHB
www.versali.de

Schnitzer
Unterversichert ;-)
Beiträge: 4
Registriert: 13.06.2020, 19:54

Re: kombinierte Risiko-LV mit BU-Versicherung als Einmalzahlung

Beitrag von Schnitzer » 16.06.2020, 11:17

Guten Morgen.

Danke für die Information. Ich hatte das schon vermutet. Allerdings verstehe ich nicht, warum es das in Deutschland nicht gibt (in Spanien aber schon). Es gibt ja auch Lebensversicherungen mit Einmalzahlung. Warum also nicht auch BU-Versicherungen? Hat das eventuell steuerliche Gründe?

Benutzeravatar
VMHB
Überversichert ;-)
Beiträge: 402
Registriert: 24.08.2012, 08:07
Kontaktdaten:

Re: kombinierte Risiko-LV mit BU-Versicherung als Einmalzahlung

Beitrag von VMHB » 16.06.2020, 12:17

Schnitzer hat geschrieben:
15.06.2020, 15:51
bei Berufsunfähigkeit keine Rente gezahlt wird sondern eine Einmalzahlung bei Laufzeitende erfolgt
M.E. ist so eine Absicherung alleine deswegen schon unsinnig, da ich bei bestehender Berufsunfähgkeit sofortigen Geldbedarf habe.

Des weiteren muss wahrscheinlich schon ein erhebliches und vor allem dauerhaftes Krankheitsbild vorliegen, um eine entsprechende Zahlung zu erhalten. Die exakte Definition der Berufsunfähigkeit laut Bedingungswerk wäre entsprechend genau zu prüfen.
Dem Versicherer werden schliesslich die i.d.R. regelmäßigen Nachprüfungen der Berufsunfähigkeit sowie die damit verbundenen Mitwirkungspflichten des Versicherungsnehmers versagt.

Eine Absicherung über eine Schwere-Krankheiten-Versicherung stellt aber ein durchaus akzeptables Substitut zu einer von Ihnen erwähnten Absicherung dar.
=> siehe auch www.krankheiten-versicherung.de

Grüße
VMHB
www.versali.de

Schnitzer
Unterversichert ;-)
Beiträge: 4
Registriert: 13.06.2020, 19:54

Re: kombinierte Risiko-LV mit BU-Versicherung als Einmalzahlung

Beitrag von Schnitzer » 16.06.2020, 15:46

VMHB hat geschrieben:
16.06.2020, 12:17
Schnitzer hat geschrieben:
15.06.2020, 15:51
bei Berufsunfähigkeit keine Rente gezahlt wird sondern eine Einmalzahlung bei Laufzeitende erfolgt
M.E. ist so eine Absicherung alleine deswegen schon unsinnig, da ich bei bestehender Berufsunfähgkeit sofortigen Geldbedarf habe.
Da war ich wohl missverständlich. Die Versicherung sieht die Einmalzahlung vor bei Eintritt der Berufsunfähigkeit, also dann, wenn der Gelbedarf anfällt.

Die Schwere-Krankheiten-Versicherung geht in diese Richtung, erfordert aber keine Dauerhaftigkeit der Erkrankung. In der Versicherung, von der ich gesprochen habe, wird aber eindeutig von der Unfähigkeit gesprochen, seinem Beruf als (es folgt die Berufsbezeichnung) nachzugehen. Ich sehe, genau wie Sie, das Problem, die Dauerhaftigkeit nachzuweisen. In Spanien scheint dafür die Bescheinigung einer bestimmten Behörde erforderlich zu sein. Wäre es Deutschland, dann würde ich dabei an ein Versorgungsamt bzw. Deutsche Rentenversicherung Bund denken. Ich nehme an, dass diese Behörde die regelmäßige Nachprüfung sicherstellt.

Ich vermute einen anderen Grund als eine mangelnde Nachprfüungsmöglichkeit dafür, dass eine solche Versicherung in Deutschland nicht angeboten wird. Ich komme bei meinen Überlegungen immer wieder auf das Steuerrecht. Bei einer laufenden Rente ist grundsätzlich der Ertragsanteil einkommensteuerpflichtig, der "Kapitalantei" nicht. Eine Einmalzahlung als Schadenersatz dürfte komplett steuerfrei sein (falls die Einmalzahlung als Schadenersatz verstanden wird). Wenn es so wäre, dann wäre die Einmalzahlung zumindest kein Nachteil. Welchen Grund gibt es also dann dafür, dass eine soche Versicherung nicht angeboten wird? Gibt es einen steuerlichen oder anderen Nachteil gegenüber der Rente, den ich nicht sehe?

Benutzeravatar
VMHB
Überversichert ;-)
Beiträge: 402
Registriert: 24.08.2012, 08:07
Kontaktdaten:

Re: kombinierte Risiko-LV mit BU-Versicherung als Einmalzahlung

Beitrag von VMHB » 16.06.2020, 18:58

Schnitzer hat geschrieben:
16.06.2020, 15:46
Wäre es Deutschland, dann würde ich dabei an ein Versorgungsamt bzw. Deutsche Rentenversicherung Bund denken. Ich nehme an, dass diese Behörde die regelmäßige Nachprüfung sicherstellt.
Nein. Wir unterscheiden zwischen Berufsunfähigkeit im Sinne der Bedingungen einer privaten BU-Versicherung und einer teilweisen und vollständigen Erwerbsunfähigkeit im Sinne der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente. Und eine Behörde mit der Überprüfung von privatrechtlichen Ansprüchen zu betrauen, wird weder einem Versicherten geschweige denn einem Anbieter gefallen. Zudem sind die Bedingungswerke der privaten Anbieter unterschiedlich und somit gäbe es keinen einheitlichen Maßstab
Schnitzer hat geschrieben:
16.06.2020, 15:46
elchen Grund gibt es also dann dafür, dass eine soche Versicherung nicht angeboten wird
.
Ganz einfach. Eine private BU-Rente i.H.v. beispielhaften 1500 € monatlich kostet einen 35-jährigen bsph. 70 € monatliche Prämie bei einem Versicherungsendalter 67.

Eine Einmalzahlung wäre dann in Summe 486.000 €, sofern der Versicherte berufsunfähig wird mit 40. Bei ca. 4000 € gezahlter Prämie.
Ohne Möglichkeit des Versicherers zur Nachprüfung. Das ist kalkulatorisch gesehen möglich, aber mit einem entsprechend analogen guten Bedingungswerk unbezahlbar als Prämie.

Weiterhin spielt das sog. subjektive Risiko ebenfalls eine Rolle. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein Paradebeispiel
für das subjektive Risiko.
Dies hat zwei wichtige Ursachen, die im Unterschied zu einer Lebensversicherung deutlich werden:

• Bei einer Berufsunfähigkeit gelangt der Versicherungsnehmer selbst in den finanziellen Genuss der Leistung.

• "Die meisten Menschen hängen am Leben, aber nicht unbedingt an der Arbeit."

Für die Risikoprüfung bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist demzufolge das subjektive Risiko besonders relevant.

Die innere Einstellung des Antragstellers zu seiner Arbeit kann in der Regel nicht sicher hinterfragt werden. Doch ist völlig klar,
dass beim Vorliegen bestimmter Risikofaktoren die Neigung oder Bereitschaft, die Berufsunfähigkeit "anzustreben", verstärkt wird. Bei
einem unsicheren Arbeitsplatz wird dies tendenziell eher der Fall sein als bei einem sicheren Arbeitsverhältnis.
Und die Aussicht auf eine im Beispiel erwähnte halbe Million € ist dann ergo sicher um ein vielfaches verlockender, als eine monatliche Rente zu erhalten.

Somit ist dieses subjektive Risiko für einen Anbieter zwar in Prämie kalkulierbar. Aber wer mag als Kunde eine entsprechend "gefühlte" Prämie von 1000 € montlich zahlen?

Schnitzer
Unterversichert ;-)
Beiträge: 4
Registriert: 13.06.2020, 19:54

Re: kombinierte Risiko-LV mit BU-Versicherung als Einmalzahlung

Beitrag von Schnitzer » 16.06.2020, 19:46

VMHB hat geschrieben:
16.06.2020, 18:58
Schnitzer hat geschrieben:
16.06.2020, 15:46
Wäre es Deutschland, dann würde ich dabei an ein Versorgungsamt bzw. Deutsche Rentenversicherung Bund denken. Ich nehme an, dass diese Behörde die regelmäßige Nachprüfung sicherstellt.
Nein. Wir unterscheiden zwischen Berufsunfähigkeit im Sinne der Bedingungen einer privaten BU-Versicherung und einer teilweisen und vollständigen Erwerbsunfähigkeit im Sinne der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente. Und eine Behörde mit der Überprüfung von privatrechtlichen Ansprüchen zu betrauen, wird weder einem Versicherten geschweige denn einem Anbieter gefallen. Zudem sind die Bedingungswerke der privaten Anbieter unterschiedlich und somit gäbe es keinen einheitlichen Maßstab
Ich könnte mir vorstellen, dass beide Vertragsparteien die Überprüfung "dem Staat" überlassen. So scheint es bei diesem spanischen Versicherer zu sein. Oder das spanische Recht normiert das auf diese Weise. Ich kann Ihnen aber folgen, dass unterschiedliche Bedingungswerke der Versicherungsunternehmen zwangsläufig zu Schwierigkeiten führen.
VMHB hat geschrieben:
16.06.2020, 18:58
Schnitzer hat geschrieben:
16.06.2020, 15:46
Welchen Grund gibt es also dann dafür, dass eine soche Versicherung nicht angeboten wird
Ganz einfach. Eine private BU-Rente i.H.v. beispielhaften 1500 € monatlich kostet einen 35-jährigen bsph. 70 € monatliche Prämie bei einem Versicherungsendalter 67.

Eine Einmalzahlung wäre dann in Summe 486.000 €, sofern der Versicherte berufsunfähig wird mit 40. Bei ca. 4000 € gezahlter Prämie.
Ohne Möglichkeit des Versicherers zur Nachprüfung. Das ist kalkulatorisch gesehen möglich, aber mit einem entsprechend analogen guten Bedingungswerk unbezahlbar als Prämie.

Weiterhin spielt das sog. subjektive Risiko ebenfalls eine Rolle. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein Paradebeispiel
für das subjektive Risiko.
Dies hat zwei wichtige Ursachen, die im Unterschied zu einer Lebensversicherung deutlich werden:

• Bei einer Berufsunfähigkeit gelangt der Versicherungsnehmer selbst in den finanziellen Genuss der Leistung.

• "Die meisten Menschen hängen am Leben, aber nicht unbedingt an der Arbeit."

Für die Risikoprüfung bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist demzufolge das subjektive Risiko besonders relevant.
Hinsichtlich des subjektiven Risikos muss ich Ihnen recht geben. Die spanische Versicherung wird mir dadurch unverständlich. Sie scheint das zu ignorieren. Außer natürlich, eine (spanische) Behörde kontrolliert entsprechend streng.
VMHB hat geschrieben:
16.06.2020, 18:58
Somit ist dieses subjektive Risiko für einen Anbieter zwar in Prämie kalkulierbar. Aber wer mag als Kunde eine entsprechend "gefühlte" Prämie von 1000 € montlich zahlen?
Sind die 1000 € eigentlich aus der Luft gegriffen oder haben Sie das beispielhaft kalkuliert?

Antworten